Kirche und Gesellschaft

 

Alle Veranstaltungen finden statt jeweils an einem Dienstag um 19.30 Uhr in den Gemeinderäumen der Kreuzkirche, Hohenzollerndamm 130a, 14199 Berlin.

Wir freuen uns sehr auf diese Vortragsabende und laden herzlich dazu ein.

Prof. Dr. Peter Brandt und Pfr. Dr. Andreas Groß

 

Der Flyer mit dem Programm 2018-2019 ist noch in der Produktion!


Dienstag, 16. Oktober, 19:30 Uhr

Prof. Dr. Manfred Gailus:
Die Potsdamer Garnisonkirche als politische Bühne im 20. Jahrhundert

Seit vielen Jahren wird über den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche gestritten. Nicht nur deshalb, weil sich am 21. März 1933 anlässlich des "Tages von Potsdam" in dieser Kirche Reichspräsident Paul von Hindenburg und der neue Reichskanzler Adolf Hitler die Hand reichten und damit den Weg in die Diktatur besiegelten. Bereits während der Weimarer Republik diente das Gotteshaus als Schauplatz zahlreicher Kundgebungen nationalistischer und rechtsextremer Gruppen wie der Deutschnationalen Volkspartei, des Stahlhelm (Bund der Frontsoldaten), des Reichskriegerbundes "Kyffhäuser" usw. Hier wurde seit 1919 gegen die erste deutsche Demokratie agitiert und zu einem erneuten Krieg aufgerufen. Während des "Dritten Reiches" gab es eine Vielzahl nationalsozialistischer Parteiveranstaltungen in dieser Kirche: Fahnenweihen der NSDAP, der Hitler-Jugend und andere NS-Kulthandlungen. Der Vortrag beleuchtet das Geschehen in der Garnisonkirche bis Kriegsende 1945 und wirft am Schluss die Frage auf, ob sich aus der Geschichte dieser Kirche gute Argumente für ihren Wiederaufbau herleiten lassen.

Manfred Gailus studierte Geschichte und Politologie in Berlin. Das Studium beendete er 1979 mit dem Staatsexamen. Von 1981 bis 1986 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter für Wirtschafts- und Sozialgeschichte im 19. Jahrhundert am Fachbereich Politische Wissenschaft der FU Berlin. 1988 promovierte er an der TU Berlin bei Reinhard Rürup mit einer Untersuchung über soziale Protestbewegungen in Deutschland 1847–49 zum Dr. phil. Seit 1990 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Berlin. Von März 1997 bis Februar 1998 war er Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung. Mit Studien zur nationalsozialistischen Durchdringung des protestantischen Sozialmilieus in Berlin habilitierte er sich 1999 an der Technischen Universität Berlin.

Er ist apl. Professor für Neuere Geschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin